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Es werden Posts vom Oktober, 2016 angezeigt.

Samstagsfragmente #62 - Hummus in der Heiligen Stadt

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Heute
waren wir in Jerusalem und haben einen Abstecher in die Altstadt zum Hummus-Essen gemacht. Dabei haben wir diesmal gar nicht groß darüber gemacht, dass wir über Jahrtausende gepflasterter Religions- und Weltgeschichte stolpern, denn wir waren viel zu sehr in die Gespräche mit unterwegs aufgegabelten Freunden vertieft und gleichzeitig schwer beschäftigt, in den verwinkelten Gassen die eine richtige zum Hummus-Laden zu finden, dass für andächtige Gedanken keine Gelegenheit blieb. Fast ein bisschen erschreckend, wie "normal" die Altstadt für mich geworden ist, denn ich erinnere mich noch lebhaft an meine ersten staunenden Streifzüge - fast, als wäre es gestern gewesen.

Das Essen bei "Lina" war wie gewohnt fantastisch - Hummus mit wahlweise gerösteten Pinienkernen, Bohnen, scharfer Soße oder Tehina, Salate, Falafel und Tee mit Minze oder arabischen Kaffee zum Abschluss, bei Lina wird auch der hungrigste Pilger für kleines Geld satt, ich kann den Besuch nur empfe…

[Buch] Jennifer Benkau: Es war einmal Aleppo

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"Es war einmal Aleppo", der Erstling von Jennifer Benkau unter dem neuen Label INK REBELS, wurde mir als Vorabexemplar zur Verfügung gestellt. Er spielt im Sommer 2015, als die Flüchtlingskrise über Deutschlands Grenzen schwappte und in der Bevölkerung eine großartige Welle der Hilfsbereitschaft aber auch feindselige Skepsis auslöste.

Als Antonia mit ihren Eltern und ihrem Bruder aus einem handy- und internetfreien Sommerurlaub in Dänemark zurück kommt, fällt die Familie aus allen Wolken: Der ehemalige Tennisclub direkt gegenüber wurde von der Stadt in ein Erstaufnahmelager für Flüchtlinge umfunktioniert. Ihr Vater ist außer sich vor Wut und verfällt in kleinbürgerlichen Aktivismus, doch auch Toni macht das Lager Bauchschmerzen. Bis ihre beste Freundin sie als freiwillige Helferin einspannt und Toni auf Shirvan trifft. Je mehr sie dem in sich gekehrten Syrer zuhört, je mehr sie über den Krieg und seine Opfer lernt, desto komplizierter wird es..
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Jugendbücher gehörten scho…

Samstagsfragmente #61 - Wasser in der Wüste

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Gestern
haben wir einen Ausflug ans Tote Meer gemacht, das heißt, nicht direkt ans Wasser, sondern in den Nationalpark Ein Gedi. Vor zwei Jahren sind wir genau dort schon einmal gewandert (klick), und es war auch dieses Mal wieder sehr beeindruckend, die hohen Felswände und Wüstenlandschaft zu sehen und dann - kaum zu glauben - den frischen Wasserlauf durch diese Landschaft und die grüne Vegetation am Ufer entlang zu entdecken.




Die Woche
(die letzten Wochen vielmehr...)

Erfreulichkeiten
viele geruhsame Feiertage und dadurch verkürzte Arbeitswochen erlebtisraelisches Camping überstanden einen lang gehegten Wunsch erfüllt bekommen vorausschauende Urlaubspläne gemacht    nach einer gemeinen Erkältung mit im-Bett-liegen-müssen jetzt wieder fit  



Erlesenes
bei mir herrscht aktuell etwas Leseflaute....

Once on a time von A.A. Milne, dem Erfinder von Winnie the Pooh, habe ich gerne gelesen, obwohl der skurrile Humor sicher nicht jedem zusagt. Definitiv eine Geschichte, die Erwachsenen wahrsc…

Camping. Meh.

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Ich werde in diesem Leben kein Camper mehr. Nicht, dass ich es nicht immer mal wieder versucht hätte, aber wir scheinen einfach nicht kompatibel zu sein. So wie eine Android-App niemals auf des Gatten iPhone laufen wird, werde ich mich niemals wirklich entspannen können, wenn ich auf trockenem israelischen Boden, unter einer dünnen Decke, Zeltwand an Zeltwand mit massenhaft lärmenden Menschen kampieren muss.

Dabei bin ich unseren kleinen Kurztrip in den israelischen Norden letzte Woche wirklich sehr motiviert und (vorsichtig) optimistisch angegangen, weil die Location sich, im Vergleich zu anderen Zeltplätzen hier, nachgerade zauberhaft angehört hat. Die Fotos in diesem Beitrag zeigen meine positive Einstellung und das Bemühen, die Realität so schön wie möglich abzubilden.



Aber allein das ganze Gerät und Geraffel, das man mitschleppen muss, selbst wenn man Zelt und Matratzen vor Ort mietet und es dort sogar Kühlschränke, Kochstellen und ordentliche sanitäre Anlagen gibt (und das ware…

Neues Buchprojekt - INK REBELS

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Ich bewundere Menschen, die einen mutigen Schritt gehen, um ihre Träume zu verwirklichen, so verrückt die auch sein mögen. Wie viele coole Initiativen, Unternehmen und Produkte wären niemals entstanden, wenn nicht eine Person etwas riskiert und den ersten Schritt getan hätte? Ich selbst bin dazu viel zu bequem geworden, ich brauche das Sicherheitsnetz, das mir mein geregelter Job garantiert, so wenig inspirierend er mir auch manchmal erscheinen mag.

Als Lesemensch bewundere ich ganz besonders Geschichtenerzähler, die nicht aufgeben bis ihr Buch veröffentlicht ist - oft gegen massive Widerstände (Harry Potter wurde von 12 Verlagen abgelehnt!) - und lese daher auch sehr gern unveröffentlichte Manuskripte, wenn es der Sache dient. (Obwohl mir die Kritik solcher Herzensbücher immer schwer fällt, aber das ist ein anderes Thema, ich übe noch.)

Aktuell begeistere ich mich sehr für das neue Projekt von fünf deutschen Autorinnen, die den Schritt gewagt haben, ein eigenes Label zu gründen: Für …

#12von12 im Oktober - an dem ein kleiner roter Hund die Welt nicht mehr verstanden hat

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Heute war Jom Kippur. Der höchste Feiertag im jüdischen Jahr und der Tag, der sich wohl am deutlichsten von den Traditionen, mit denen ich im guten alten Deutschland aufgewachsen bin, abhebt. Ein Tag, an dem sehr viele, auch säkulare Israelis, für 24 Stunden fasten, beten und um Vergebung für die Sünden des vergangenen Jahres bitten. Der Straßen- und sogar der Flugverkehr kommt an diesem Tag komplett zum Erliegen, israelische Fernseh- und Radiosender gehen auf Sendepause, das Land wird gespenstisch still, oder? Nein, denn während Jom Kippur für die Erwachsenen ein ernster Tag sein sollte, machen die Kinder daraus ein fröhliches Straßenfest - mit ihren Fahrrädern, Rollern, Inlinern, Dreirädern und Skateboards bevölkern sie lärmend die Straßen und Kreuzungen, Jugendliche fahren oft kilometerweit die leeren Autobahnen entlang.

Die Eltern harren derweil bangend aus, ob sie wohl alle gesund und munter wieder zurück kommen, denn bei so viel nicht-motorisiertem Verkehr kommt es natürlich auc…

Mal wieder: Lied zum Wochenende - Mira Awad

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Brandneu erschienen ist das neue Video von Mira Awad. Ich liebe ihre klare, reine Stimme und höre mir sehr gerne ihre Musik an.

"Think of others" basiert auf einem Gedicht von Mahmoud Darwish und passt in die heutige Zeit, als hätte er es erst gestern geschrieben. Ich habe es schon seit einigen Wochen ständig auf den Ohren, das Video dazu wurde jetzt per Crowdfunding von mir mitfinanziert. Ich mache das in letzter Zeit sehr gern, denn es ist eine tolle Sache, um unabhängige Projekte oder Anliegen, die ich unterstützenswert finde, mit einem kleinen Beitrag zu fördern. 




Englische Übersetzung des Texts: 
As you prepare your breakfast, think of others (do not forget the pigeon’s food). As you wage your wars, think of others (do not forget those who seek peace). As you pay your water bill, think of others (those who are nursed by clouds). As you return home, to your home, think of others (do not forget the people of the camps). As you sleep and count the stars, think of others (…

Das neue Jahr...

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Jetzt ist es also da. Das jüdische Jahr 5777. 
Das alte Jahr ging mit der Beerdigung unseres früheren Präsidenten Shimon Peres zu Ende. Der unermüdliche Optimist und Friedensnobelpreisträger hatte sich noch im hohen Alter aktiv für die Verständigung zwischen Palästinensern und Israelis eingesetzt und die Hoffnung auf eine Zwei-Staaten-Lösung niemals aufgegeben. Er ist einer der wenigen Politiker in Israel, der von Menschen im gesamten politischen Spektrum geliebt und verehrt wurde. Eine Führungspersönlichkeit, der in der israelischen Politik seit Yitzhak Rabin keiner das Wasser reichen konnte, und die ein Vakuum hinterlässt, das keiner füllen können wird. Oder wie Amos Oz in seiner Rede an der Beerdigung fragte:  "Wo sind die mutigen Anführer, die aufstehen und das (die Zwei-Staaten-Lösung) wahrmachen können? Wo sind Shimon Peres' Nachfolger?"  Wie geschätzt Peres auch international war, zeigt, neben den berührenden Beileidsbekundungen aus aller Welt, wie viele Staatsob…

Samstagsfragmente #60 - auf Achse..

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Gestern
dachte ich, ich hätte den ganzen Tag Zeit zum Bloggen. Ha! Weit gefehlt. Es fing schon damit an, dass uns spontan Freunde zu einer kleinen Wanderung in den Hügeln von Jerusalem einluden. Eine kleine Runde, ideal für die Hunde und die Mädels, und nur acht unaufgeregte Kilometer um den Har Eitan. Früh um Viertel vor 9 ging's los, die Sonne stand schon recht hoch, aber es wehte ein frischer Wind um den Hügel, so ließ es sich eigentlich ganz gut wandern. Trotzdem brauchten wir für die 8km letztlich wesentlich mehr als anderthalb Stunden und gegen Ende waren wir dann doch alle ziemlich erhitzt und staubig. Außerdem hungrig, und da wir gerade in der Gegend waren, fuhren wir nicht direkt wieder nach Hause, sondern machten einen Abstecher in das wunderschöne alte Örtchen Ein Karem zum Mittagessen. Oft ist es dort sehr überlaufen, gestern wirkte es dagegen fast verschlafen, möglicherweise weil sich ganz Israel auf die kommenden Feiertage vorbereitet.

Wieder zu Hause legten wir uns…