Mittwoch, 22. Dezember 2010

Aktuelle Nachrichten...

... die es im Rest der Welt nur in die Randnotizen schaffen:

Kassamrakete verfehlt israelischen Kindergarten nur knapp
Ein Teenager wird dabei verletzt.

Beim Wandern ermordet
Noch immer ist nicht eindeutig bewiesen, dass es sich um einen Terroranschlag handelte, aber man fragt sich schon, was es sonst gewesen sein soll.

Israel reicht bei der UN Beschwerde ein
Ob's wohl was bringt? 13 Raketen haben allein in den letzten Tagen auf israelischem Boden eingeschlagen, rund 200 im letzten Jahr.

Donnerstag, 16. Dezember 2010

Israelis im Minus

Das Leben in Israel ist teuer.

Weil bei einem verhältnismäßig niedrigen Durchschnittseinkommen (etwa 1600 Euro p.P / Monat) die Lebenshaltungkosten sowohl für Basis-, Verbrauchs- und inbesondere Luxusgüter sehr hoch sind, schreiben die allermeisten israelischen Haushalte rote Zahlen. Unserer auch, weswegen ich aktuell einen Kurs mit dem markigen Titel "Raus aus dem Minus!" besuche. Die Statistik hat aber selbst mich verschreckt:

2004 waren die Konten aller israelischen Haushalte zusammengenommen unglaubliche 8,5 Mrd. Euro "im Minus". Für nur rund 2 Mio Haushalte insgesamt eine reife Leistung. Bei einer durchschnittlichen Überziehung von rund 3600 Euro bedeutet das, dass 60-70% der Israelis im Dispo leben. Wer sich daran freut? Die Banken natürlich! Die geben auch gerne mal ein Zweimonatsgehalt als Einstiegsdispo, der bei "guter Führung" nach und nach immer weiter hochgesetzt wird - zu saftigen Zinsen versteht sich.

Interessant dabei: Die große Mehrheit der Israelis schert es nicht groß, dass sie permanent auf Pump leben, mir fehlt dazu leider (oder zum Glück?) die Gelassenheit, bzw. die typische "Wird schon gutgehen"-Mentalität.

Dienstag, 14. Dezember 2010

Der Mossad und die Haie

Da hat uns der Feind diesmal aber wirklich fix durchschaut.. ganz dumm gelaufen.

Leider kriege ich das Video nicht vernünftig eingebettet, daher gibt es nur einen Link *grummel*

Bestechende Beweisführung zur Haiverschwörung [Englisch]

Donnerstag, 2. Dezember 2010

Aufgezeichnet: "Bis Sie endlich unterschreiben..."

Heute hatte ich ein vergnügliches Gespräch mit einem der beiden israelischen Anbieter für Satelliten- (YES) respektive Kabelfernsehen (HOT):

Callcenter: "Hallo, spreche ich mit ..? "
Ich: "Nein, mit seiner Frau.."
Callcenter: "Super, das passt gut. Hier spricht X von YES, wir -"
Ich: "Kein Bedarf."
Callcenter: "Aber wir haben da ein ganz tolles Angebot!"
Ich: "Wie oft soll ich denn noch sagen, dass wir nicht interessiert sind. Haben Sie nicht erst letzte Woche angerufen?"
Callcenter: "Genau, und wir werden auch nächste Woche wieder anrufen, bis Sie endlich HOT kündigen und bei uns unterschreiben. Ich mache Ihnen ein besseres Angebot als HOT"
Ich (verblüfft): "Aber wir sind doch gar nicht bei HOT!"
Callcenter (kommt aus dem Konzept, das ist offenbar keine mögliche Antwort): "Was für einen Anschluss haben Sie denn dann?"
Ich: "Wir empfangen Kanal 1 und 2"
Callcenter (sprachlos): "Dann brauchen Sie gar kein Multichannelfernsehen?"
Ich: "Nein, das sagte ich doch."
Callcenter (immer noch verunsichert): "Na dann, alles Gute. Und ein frohes Fest!"

Mittwoch, 1. Dezember 2010

Der Super-Gau: Handynetz zusammengebrochen

Ihr werdet lachen, aber das ist mit die größte Katastrophe, die sich der gemeine Israeli so vorstellen kann :)

Heute früh brach landesweit spontan das Netz eines großen israelischen Mobilfunkanbieters (natürlich ausgerechnet meiner, war ja klar...) zusammen. Das Problem dauert zur Stunde noch an, die Ursache ist bis jetzt nicht geklärt.

Schrecklich sowas. Auf einmal ist man praktisch total von der Außenwelt isoliert, wie gut, dass es da Internet noch gibt.

http://www.jpost.com/Headlines/Article.aspx?id=197511

Montag, 15. November 2010

Der Schwede in Israel

Nein, Herr Mankell bekommt von mir keinen Beitrag, da bin ich eigen (dabei mochte ich seine Bücher mal so gern).

Hier und heute geht es um IKEA, das weltweite Phänomen, das seit 2001 auch endlich in Israel die Wohn-, Schlaf- und Kinderzimmer bemöbelt. Im März diesen Jahres wurde nun eine zweite Filiale, die angeblich größte im Nahen Osten, ganz in unserer Nähe eröffnet, was für den Geldbeutel fatal, das wohlige Heimatgefühl aber unheimlich wichtig ist :)

Leider (meine religiösen Freunde mögen mir verzeihen) ist IKEA in Israel am Freitag nachmittag und Samstag geschlossen, ausgerechnet also, wenn der Durchschnittsbürger am meisten Zeit hat. Samstag Abend nach Einbruch der Dunkelheit öffnet IKEA für 2-3 Stunden und da geht es dann schon am Einlass zu wie an einem sonnigen Tag am Skilift, bzw. vor den größten Attraktionen im Freizeitpark. Grüppchenweise wird man zur obligatorischen Sicherheitskontrolle vorgelassen, während sich hinter einem immer mehr kaufwütige Körper stauen.

Hat man die Kontrolle erfolgreich passiert, geht es ähnlich anstrengend weiter: In der Möbelausstellung kann man sich allenfalls schrittweise mit der Herde fortbewegen, und ich frage mich jedes Mal, warum ich nicht die Abkürzung direkt in die Servietten- und Teelichterabteilung nehme, die Möbel kann ich im Katalog ohnehin stressfreier ansehen. Aber man will dem Nachwuchs die Kinderabteilung ja nicht vorenthalten, also kämpft man sich durch und verbringt schließlich eine geschlagene Stunde mit abgegriffenem Ausstellungsspielzeug zwischen genervten Eltern und anstrengenden Fremdkindern, bevor man sich endlich Richtung Servietten aufmachen kann, nur um dort festzustellen, dass die gewünschte Farbe ausverkauft ist und der andere Kleinkram im Katalog auch viel netter aussah als in Echt.

Letztlich läuft es auf eine Handvoll Alibiartikel (man will ja nicht umsonst gefahren sein), im Zweifel aus den Wühltischen vor der Kasse heraus, wo man eine weitere halbe Stunde ansteht, bevor man endlich das Kreditkärtchen zücken darf.

Auf dem Weg zum Auto schwöre ich mir immer, beim nächsten Mal einen Tag Urlaub für diesen Ausflug zu nehmen, bis ich dann an einem dieser öden Shabbate wieder den Katalog in die Hand nehme....

Sonntag, 31. Oktober 2010

"Rabin wurde ermordet - der Frieden wird siegen!"

So Israels Präsident Shimon Peres heute auf seiner Rede zum 15. Gedenktag des ermordeten Ministerpräsidenten Yitzhak Rabin.

Weitere Zitate:

"Wir haben mehr Durchsetzungsvermögen als die Feinde des Friedens und deshalb werden wir gewinnen, weil wir uns dem Ende des Krieges für uns und unsere Nachbarn verschworen haben."

"Sie hatten bisher keinen Erfolg und sie werden keine Erfolg haben, uns unser einziges Gut zu nehmen. Ein unbezahlbares Gut, das uns auch durch dies stürmischen Zeiten bringen wird. Dieses Gut heißt Hoffnung, es heißt Frieden."

"Wir werden jede Möglichkeit nutzen, Frieden zu schaffen. Wir werden gewinnen, denn nur Frieden wird uns den wahren Sieg bringen."

Die volle Rede (auf Ivrith) lässt sich hier ansehen:
http://www.mako.co.il/news-israel/local/Article-4229714e91efb21004.htm&sCh=3d385dd2dd5d4110&pId=978777604

Donnerstag, 28. Oktober 2010

Bleich

Manchmal kommt man sich ja schon ein bisschen bescheuert vor.

Da habe ich doch nach rund 7 Jahren Nutzung eines bestimmten, ziemlich teuren Waschmittels für Baby- und besonders empfindliche Haut vor ein paar Tagen festgestellt, dass es Bleiche enthält und daher nicht, wie bisher angenommen, die starke Sonneneinstrahlung dafür verantwortlich ist, dass meine Buntwäsche so schnell farblos wird.

Hätte ich das Etikett mal früher ordentlich entziffert, ich fauler Strick.

Sonntag, 19. September 2010

Jom Kippur - eine Chronologie

Wenn es dir, lieber Leser, so geht wie mir vor knapp 7 Jahren, du also außer dem durchschnittlichen Allgemeinwissen zu Jom Kippur nicht wirklich weißt, wie es am wichtigsten Feiertag der Juden wirklich in Israel zugeht, ist dieser Artikel für dich. Es könnte ja schließlich sein, dass du mal einen Jom Kippur hier verbringen darfst (oder musst?), da kann ein bisschen mentale Vorbereitung nicht schaden.
17. September

17.20 - Jom Kippur beginnt. Die Mehrheit der israelischen Bevölkerung, religiös wie säkular, fastet an diesem wichtigen Feiertag und hat eben die letzte große Mahlzeit hinter sich gebracht und über den Tag viel Wasser getrunken, damit es über die Fastenzeit reicht.

Die Straßen sind menschenleer, kein Autolärm ist zu hören, kein Flugzeug kreuzt über Israels dämmerndem Himmel. Jom Kippur ist verkehrsfrei, außer Polizei und Krankenwägen mit medizinischen Notfällen wird man heute abend und morgen kein Auto auf Israels Straßen sehen. Der internationale Flughafen und die Häfen stehen still, niemand wird das Land bis morgen Abend betreten oder verlassen.

19.00 - Draußen erwacht das Leben. Während die Erwachsenen sich "energiesparend" verhalten, sammeln sich Scharen von Kindern mit Fahrrädern, Rollern und anderen Gefährten auf den Straßen. Am Jom Kippur gehört der Asphalt ihnen, viele haben zum Neujahrsfest oder in den letzten Tagen ein neues Fahrrad bekommen und führen es nun zum ersten Mal aus.

Ein paar Grundschüler haben auf einer Hauptkreuzung einen Stuhlkreis aus Campingstühlen errichtet und albern herum. Es ist bizarr und faszinierend zugleich. Ausnahmezustand.

21.20 - Traditionell schalte ich versuchsweise den Fernseher ein. Alles ist in Ordnung: Ein Testbild erscheint auf allen Kanälen, im Radio ist nur weißes Rauschen zu hören. Wie gut, dass noch keiner auf die Idee kam, das Internet zu sperren oder das Telefonnetz, obwohl viele diese ebensowenig nutzen werden an diesem Sühnetag.
18. September

7.35 - Wir wachen früh auf. Es ist totenstill draußen, das Wetter angenehm. Noch schlafen die meisten, dann fällt das Fasten nicht so schwer. Wir frühstücken mit geschlossenem Fenster, damit die Nachbarn den Kaffeeduft nicht riechen. Wir wollen es ihnen nicht zusätzlich schwermachen.

10.45 - Wir machen uns mit unserer Tochter und ihrem Laufrad auf. Sie ist begeistert, dass sie die ganze Straße für sich alleine hat und gibt Gas. Auf dem Spielplatz treffen wir Spielkameraden, es ist nett.

Gegen Mittag sind wir wieder zuhause. Es ist inzwischen heiß geworden und wir wollen uns ausruhen. Ich will Musik anmachen, mein Mann hält mich zurück, es sei unpassend was ich einsehe.

Gegen 18.00 endet die Fastenzeit, wenig später registriere ich das erste vorbeifahrende Auto. Das normale Leben wird wieder aufgenommen, bis zum nächsten Jahr :)

Neben der religiösen Bedeutung erinnert Jom Kippur jährlich an den gleichnamigen Krieg 1973, als Israel von einer Allianz aus mehreren arabischen Nachbarländern angegriffen wurde. Der Angriff überraschte die unvorbereiteten Israelis und brachte den Angreifern zunächst militärische Anfangserfolge. Aus israelischer Sicht wirkte sich der Überraschungsangriff auf die Einberufung, anders als die arabischen Strategen gedacht hatten, nicht negativ aus. Im Gegenteil verlief die Einberufung der Reservisten außergewöhnlich schnell, und das trotz der anfänglichen Überraschung und einiger Verwirrung in den Mobilmachungsdepots. Während des höchsten jüdischen Feiertags Jom Kippur ruhte das öffentliche Leben fast vollständig, wodurch kein Straßenverkehr die Militärtransporte behinderte und die Reservisten in ihren Häusern und Synagogen schnell ausfindig gemacht werden konnten. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Jom-Kippur-Krieg)

Damit sich ein solcher Überraschungsangriff nie wiederholen kann, befindet sich das Militär auch an Jom Kippur in Bereitschaft.

Quelle: Ynet.co.il
Die Straße gehört an Jom Kippur den jüngsten Israelis. Quelle: Ynet

Mittwoch, 8. September 2010

Lied zum Fest (1)

Erev Chag, der Vorabend eines jeden jüdischen Feiertags, schafft immer eine ganz besondere Atmosphäre. Dieses Lied fängt das sehr schön ein und das Video erinnert einmal mehr an Gilad Shalit, der inzwischen seit über 4 Jahren in Hamastan in Gefangenschaft ist.







Auf YouTube gibt es die Untertitel auf Englisch, hier ist ein Ausschnitt auf Deutsch:
Heute Abend beginnt der Feiertag,
und die Straßen der Stadt
sind jetzt menschenleer.
Das wollten wir dir nur sagen.
...
Für das Festmahl
haben wir deine Lieblingsspeisen
ganz besonders zubereitet.
Das wollten wir dir nur sagen.

Alle sind schon hier
um den Tisch versammelt,
und wenn du auch kommen möchtest,
haben wir einen Platz für dich bereit.

Dienstag, 7. September 2010

Ein süßes Neues!

Morgen Abend beginnt das jüdische Neujahrsfest, das das Jahr 5771 der Juden einläutet. Es ist eines der wichtigsten Feste im Judentum und wird traditionell mit einem großen Essen begonnen, bei dem süße Speisen eine wichtige Rolle spielen - Honigkuchen, Datteln, Apfelscheiben in Honig, Trauben, süßer Wein, Granatapfel werden gerne verzehrt, auf dass das neue Jahr besonders süß werde.

Ich hatte dieses Jahr die wahnwitzige Idee, das Feiertagsmahl bei uns ausrichten zu wollen und machte mich heute abend (weniger als 24h vor dem großen Ereignis, so kennt man mich ja) auf die Jagd in den Supermarkt. Es war schrecklich! Aus der Fleisch- und Geflügeltheke gähnten mir die letzten Ladenhüter entgegen (es hätte nicht viel gefehlt und ich hätte mich sogar darum noch prügeln müssen), sodass ich gezwungen war, aus dem Stand das gradlinige Hühnerschenkelrezept auf einen Geflügelmix zu ändern, von dem ich hoffe, dass man die Flickschusterei unter der Soße nicht sieht.

Ob ich was daraus lernen werden fürs nächste Jahr? Eher nicht, wo bliebe denn da der Sportsgeist?

Mittwoch, 1. September 2010

Terroropfer vor Friedensverhandlungen

Es ist doch immer wieder das Gleiche: Sobald Friedensverhandlungen zwischen Israelis und Palästinensern anstehen, gibt es israelische Terroropfer. 2 Männer und 2 Frauen (darunter eine Schwangere) wurden heute Abend in ihrem Auto von palästinensischen Extremisten erschossen.

Es wurde umgehend Alarmbereitschaft für ganz Israel ausgerufen; ähnliche Anschläge, mit dem Ziel die Friedensverhandlungen zu torpedieren, sind nicht auszuschließen, denn
Hamas ist gegen die Aufnahme von Friedensverhandlungen zwischen Israel und den Palästinensern.

Quelle: Spiegel

Seufz.

Samstag, 7. August 2010

Lieblingslied zum Wochenende (5)

Heute ein "All-time Schätzchen" der Israelis:

Achinoam Nini (Noa), "Mishaela"








Textauszug:
'Mishaela, was siehst du?
Was hälst du im Herzen,
das sogar in die Totenstille hinein lacht?'

'Einen Regenbogen im Osten', sagt sie
'mehr brauche ich nicht,
das ist mehr als genug'

Donnerstag, 5. August 2010

Israelis finden Muttermilch wichtig

Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Studie.

92% der Befragten ist es demnach wichtig (69% sogar sehr), dass eine Mutter ihr Baby stillt. 68% Prozent befanden, dass die Mutter bei Stillschwierigkeiten nicht sofort aufgeben, sondern weiter probieren und eventuell eine Stillberaterin kontaktieren solle.

40% sind der Meinung, dass frau länger als ein halbes Jahr stillen sollte und 20% gaben an, länger als 10 Monate gestillt zu haben.
Leider hat auch diese Studie einen dunklen Fleck: Ein Drittel der Befragten gab nämlich an, dass sie der Anblick einer stillenden Mutter in der Öffentlichkeit stört.

Mittwoch, 28. Juli 2010

Israelis sind glücklicher als Deutsche und Amerikaner

Zu diesem Ergebnis kam eine großangelegte Studie, in deren Rahmen mehrere Tausend Bewohner aus 155 Ländern zwischen 2005 und 2009 zu persönlichem Wohlbefinden und Zufriedenheit befragt wurden.

Israel belegt gemeinsam mit Australien, Kanada und der Schweiz Platz 8 und lässt damit Länder wie Deutschland (Platz 33), USA (14) und UK (17) teilweise weit hinter sich.

Alle Ergebnisse: http://www.forbes.com/2010/07/14/world-happiest-countries-lifestyle-realestate-gallup-table.html

Interessant, nicht?

Dienstag, 27. Juli 2010

"Dieses Gefühl versteht nicht, wer hier nicht lebt"

Zwei liebe Freundinnen entlassen diesen Sommer ihre Töchter in die Armee.

In den nächsten Jahren werden die beiden Abiturientinnen eine Reifeprüfung der ganz anderen Art ablegen: Der Pflichtdienst in der israelischen Armee (Jungs dienen 3, Mädchen "nur" 2 Jahre) gilt hierzulande als Lebensschule, die Teenager zu verantwortungsbewussten Männern und Frauen macht. Wem  diese wichtige Erfahrung fehlt, wird sich im weiteren Leben ständig erklären müssen, denn der Dienst wird immer wieder bei offiziellen und inoffiziellen Gelegenheiten thematisiert werden, er gehört zum Lebenslauf eines Israelis untrennbar dazu. Nicht selten steht bei Stellenanzeigen für Neben- und Studentenjobs als Anmerkung dabei "Nur mit abgeschlossenem Armeedienst" und wenn ein junger Mensch rebelliert, schwierig ist, wird das Problem schnell mit einem kurzen "Lass ihn erstmal in die Armee kommen, dann gibt sich das" abgehandelt.

Während der Respekt für Lehrer und Regeln an israelischen Schulen zunehmend schwindet, herrscht in der Armee Disziplin. Eine vor kurzem erst entlassene Soldatin befürwortet mehr Strenge und Disziplin auch an Schulen:  
"Es kann doch einfach nicht sein, dass man in der Oberstufe auf gestandene Lehrerinnen pfeift und später in der Armee teilweise gleichaltrige Ausbilder als Autoritätspersonen akzeptiert"

Meine Freundinnen haben gemischte Gefühle. Einerseits sind sie auf ihre großen Mädels sehr stolz, denn beide haben verantwortliche und interessante Posten bekommen, eine in einem so geheimen Bereich, dass selbst die Eltern nichts genaues darüber wissen, und freuen sich auf die Herausforderung. Andererseits ist da die Ungewissheit, die Sorge, wie es dem behüteten Kind wohl ergehen wird, und die Erleichterung, (für den Moment) keinen Sohn in eine Kampfeinheit schicken zu müssen.

Im entfernten Bekanntenkreis steht ein sensibler Junge ebenfalls kurz vor dem Wehrdienst. Um ihn sorgt sich die Familie, man hofft, dass er dem Druck gewachsen ist und mit seiner sanften Persönlichkeit im rauhen Armeealltag nicht untergehen wird.


Quelle: wikipedia 

Donnerstag, 22. Juli 2010

Mama, was ist "Gilad"?

Fragte mich meine Dreijährige gestern, als ich einen neuen Aufkleber auf unser Auto klebte.
Gilad lebt noch
Es geht um den israelischen Soldaten Gilad Shalit, der seit nunmehr 4 Jahren von der Hamas festgehalten wird, seine Familie kämpft ohne Unterlass um seine Freilassung, das ganze Land fühlt mit.*

Nur wie erkläre ich das meiner kleinen Tochter? Ich versuche ihre Frage zunächst zu übergehen, aber sie lässt nicht locker.

"Weisst du Schatz, Gilad ist ein junger Mann, der sehr gerne wieder zurück zu seiner Mama nach Hause möchte."  - "Ah."

Das versteht sie. Und es muss erstmal als Erklärung genügen.


*Gilad Shalit ist inzwischen nach fast 5,5 Jahren in "Hamastan" wieder zuhause.

Sonntag, 18. Juli 2010

Lieblingslied zum Wochenende (4)

Heute ein aktuelles von Boaz Banai - M'Rov Ahava Shotek

Boaz gehört einer großen Familie von Schauspielern, Sängern und Entertainern in der israelischen Kulturlandschaft an.







Textauszug:
Wenn ein Mann eine Frau liebt,
sagt er ihr immer und immer wieder,
wie wunderbar sie ist.

Wenn ein Wolkenmann eine Wolkenfrau liebt,
sagt er ihr immer und immer wieder,
wie weich und zart sie ist.

Nur ich bin stumm vor lauter Liebe,
stumm vor lauter Liebe.

Dienstag, 13. Juli 2010

Was sind Juden?

Blöde Frage, oder?
// weitere Begriffsklärungen gibt 
es in meinem wachsenden Glosser //


Mal sehen...


Juden sind Nachfahren Abrahams, sie bilden das Volk der Juden.


Nach jüdisch-rabbinischem Gesetz  ("Halacha") gilt automatisch als Jude, wer von einer jüdischen Mutter abstammt. Ob die Religion aktiv gelebt wird oder nicht, ist dabei unerheblich, man unterscheidet religiöse und säkulare Juden.


Juden sind Anhänger der Religion des Judentum.


Wer zum orthodoxen Judentum konvertiert, erwirbt auch die jüdische Volkszugehörigkeit. Allerdings ist das Judentum nicht missionarisch ausgerichtet, d.h. wer zum Judentum konvertieren möchte, muss ein langwieriges Verfahren durchlaufen, und letztlich ist es die Entscheidung der betreuenden Rabbiner ob der Konvertierungswunsch akzeptiert wird oder nicht.


Chanukka-Leuchter

Jude ist, wer mindestens einen jüdischen Elternteil hat.


So wollten es die Nürnberger Rassengesetze von 1935. Bürger mit mindestens einem jüdischen Großelternteil galten als Mischlinge. Nach dieser Einteilung wurden zwischen 1941 und 1945 im Dritten Reich 6 Millionen Juden ermordet. Es wurde kein Unterschied zwischen religiösen, säkularen, reichen, armen, voll in die nichtjüdische Gesellschaft integrierten oder in traditionell jüdischen Vierteln lebenden Juden gemacht.


by Daniel Ullrich

Nach dem Holocaust wurde dem jüdischen Volk ein eigener Staat im früheren britischen Mandatsgebiet Palästina zugesprochen - Israel. Für den Teilungsplan in einen jüdischen und einen arabischen Staat votierte die II. UN-Vollversammlung mit 33 Für- und 13 Gegenstimmen bei 10 Enthaltungen. Heute leben in Israel rund 6 Millionen Juden und das sogenannte Rückkehrgesetz erlaubt die Einwanderung ("Aliya") all jenen, die mindestens einen jüdischen Großelternteil haben.

Juden sind also in allererster Linie ein Volk und mitnichten "nur" eine religiöse Gruppierung, wobei sich die Volkszugehörigkeit an der Abstammung orientiert.

Daher wurden Juden in Israel bis vor kurzem in Ausweisen zusätzlich zu ihrer israelischen Staatsangehörigkeit auch als Juden im Sinne der Volkszugehörigkeit deklariert.

Jüdische Traditionen gehen zu weiten Teilen auf religiöse Wurzeln zurück, jedoch bringt jede Kultur auch ihre eigenen Bräuche und Einflüsse aus ihren Herkunftsländern mit - immerhin lebten die Juden jahrhundertelang in den verschiedensten Ländern - was Israel zu einem sehr interessanten multikulturellen Schmelztiegel macht.



// Ihr wollt mehr über das Judentum und die ganz alltäglich gelebten Traditionen in Israel wissen? Dann klickt euch doch mal durch die Beiträge in Feiertage und Judentum oder schlagt im Glosser (ständig im Aufbau) nach. // 



Follow on Bloglovin


Montag, 12. Juli 2010

und es ist doch ein Vorrecht

in Israel leben zu dürfen.

Denke ich jedes Mal wenn ich nach Jerusalem hoch fahre - dieses Gefühl das mich automatisch überkommt, sobald ich die Stadt auf den Hügeln auftauchen sehe ist unbeschreiblich. Dann ist mir, als spürte ich den Geist der Jahrtausende um mich herum, die vielen Schichten der Geschichte unter mir und als könnte ich die Gedanken der Pilger hören, die mir ihre Abenteuer zuflüstern. Pathetisch, ich weiß, aber dieses Gefühl ist wirklich schwer in Worte zu fassen, man muss es erlebt haben. Dabei würde ich in Jerusalem nicht einmal leben wollen und hatte auch in meinem früheren Leben keine Fotodrucke der heiligen Stadt in der Wohnung :)



http://www.masa.co.il/

Donnerstag, 8. Juli 2010

Hardliner oder Gutmensch? Eine Identitätskrise

Ich bin rot-grün aufgewachsen und habe seit Erwerb meiner Volljährigkeit diese politische Einstellung bereits mehrmals bei Wahlen zum Ausdruck gebracht. Ich bin für Recycling, gegen Atombomben und für soziale Gerechtigkeit. Außerdem tendiere ich dazu in Konflikten den sogenannten Underdog zu stützen, über Ungerechtigkeit in allen Lebensbereichen kann ich mich fürchterlich aufregen und grafische Darstellungen wie das Weltdorf stürzen mich regelmäßig in die Trübsinnigkeit, weil ich das Gefühl habe ohnehin nichts bewirken zu können. Im Grunde bin ich ein klassischer Gutmensch.

Oder?

Ich lebe in Israel. Eine sehr konservative Regierung ist derzeit an der Macht und der Außenminister meiner Meinung nach eine diplomatische Katastrophe. Mit meinem politischen und persönlichen Hintergrund müsste ich eigentlich voll auf einer Linie mit Haaretz sein, der links-liberalen Tageszeitung Israels. Eigentlich. Faktisch ertappe ich mich in letzter Zeit aber immer öfter dabei, wie ich innerlich konservativen Journalisten,  TV-Programmen und Berichte zur aktuellen Lage in unserer Region und zunehmend sogar Netanyahus Äußerungen zustimme.

Was ist nur mit mir los?

Ist es wirklich so, dass uns die Umstände in denen wir leben verändern, unseren Charakter beeinflussen? Oder liegt es daran, dass ich "den Konflikt" inzwischen persönlich nehme, weil ich selbst Staatsbürgerin und Mutter einer kleinen Sabra bin? Werde ich deshalb langsam aber sicher zum Hardliner, weil ich mich wie eine Glucke vor das geliebte Nest stelle und meine Tochter schon in Uniform vor mir sehe?

Ich fühle mich nicht als Hardliner. Wenn ich daran denke, in welche Verhältnisse die Kinder im Gazastreifen geboren werden, welche Zukunft auf sie wartet in einem Regime, das sie von klein auf aufhetzt, Sommerlager zerstört  und islamistische Kämpfer und Selbstmordattentäter zu Vorbildern idealisiert, wird mir ganz schlecht. Deren Lage wird sich aber durch ein Einlenken Israels nicht bessern, eher im Gegenteil.

Ja, ich wünsche mir Frieden. Aber nicht um jeden Preis.



Eine weiße Taube warf einen Olivenzweig
auf Zion oder auf Palästina
auf wessen Land stehe ich?
Ich höre immer noch das Kriegsgeschrei...

(kompletter Text hier)

Freitag, 2. Juli 2010

Deutschland denkt mit

darüber sollte ich mich als Deutsche eigentlich freuen, wenn es nicht so lästig und anmaßend wäre:
Der Bundestag hat über alle Fraktionsgrenzen hinweg eine sofortige Aufhebung der Gaza-Blockade gefordert. Die Absperrung des Landstrichs sei kontraproduktiv und diene nicht den israelischen Sicherheitsinteressen, heißt es in einem gemeinsamen Antrag von Union, SPD, FDP und Grünen, der am Abend einstimmig verabschiedet wurde.

Quelle

Man fragt sich wirklich, ob es innenpolitisch in Deutschland im Augenblick nicht genug Baustellen gibt. Aber wenn sich eine Chance ergibt, unkompliziert außenpolitisch Eindruck zu schinden und damit womöglich vom internen Ärger abzulenken, sind sich plötzlich alle einig. Sauber.

Zur humanitären Situation im Gazastreifen empfiehlt sich auch das folgende Video:





Lieblingslied zum Wochenende (3)

Endlich Wochenende! Zeit für ein neues Lied, heute:

Idan Reichels Projekt, Im T'lech

Eines der ersten Lieder, die ich im Radio verstehen konnte. Vielleicht bin ich deswegen so sentimental wenn ich es höre :) (Textausschnitt unten)






Wenn du gehst
wer wird mich umarmen,
wer mir am Abend zuhören?

Wer wird mch beruhigen und trösten
so wie nur du es kannst?

Und wenn du gehst,
auf wen soll ich dann warten
dort am Fenster in meinem schönen Kleid?
Wer wird mich umarmen
so wie nur du es kannst?

Dienstag, 29. Juni 2010

Klaustrophobische Neigungen

Früher, als ich hier "neu" war, habe ich die Israelis für ihren Fluchtinstinkt belächelt. Mein heutiger Mann erzählte mir glaubhaft, dass man als Israeli regelmäßig hier 'raus müsse, um nicht unweigerlich durchzudrehen in diesem irren Land. Und tatsächlich fliegen die Israelis ständig irgendwohin und  zur Ferienzeit bricht am einzigen internationalen Flughafen regelmäßig das Chaos aus.

Warum ist das so?

Israel ist klein. Die Möglichkeiten im Land Urlaub zu machen sind sehr begrenzt, die wenigen ländlichen Gegenden  überlaufen, überteuert und nicht selten ausgebucht.

Israel steht immer unter Strom. Der Druck durch die umliegenden Länder und das innere Konfliktpotential sind ständig präsent, was zu Stress führt und die Entspannung selbst in der Freizeit hemmt.

Israelis fliehen gerne vor ihren eigenen Landsleuten, um - ganz inkognito - wirklich einmal richtig abschalten zu können. Das gelingt leider nicht immer, da man als Israeli im Urlaub eigentlich immer auch andere Israelis trifft, weil sie ja alle ebenfalls zur gleichen Zeit im Ausland sind ;)

Wie gesagt, anfangs habe ich diese typisch israelische Neigung belächelt, heute zeigen sich bei mir selbst klaustrophobische Symptome, allerdings sind sie noch ein wenig anders gelagert: Ich fühle mich zunehmend eingesperrt  - wie gut haben es doch die Europäer die mal eben übers Wochenende einfach über die Grenze hopsen können! - es nervt mich, ständig wahlweise auf das Mittelmeer, Checkpoints oder blockierte Abzweigungen zu treffen. Wie oft habe ich mich schon geärgert, dass der direkte Weg durch Sperrgebiet führt oder auf der Karte eine Straße eingezeichnet ist, die sich bei näherem Hinsehen als "off limits" für Israelis herausstellt. Schleichwege und lauschige Nebensträßchen braucht man hierzulande gar nicht erst zu suchen...

Dienstag, 22. Juni 2010

Schnelle Autos

Vor mir schleicht ein Porsche durch den Feierabendverkehr und ich frage mich mal wieder (nachdem ich gerade erfolgreich den Impuls unterdrückt habe, ihn unauffällig ein wenig anzuschieben), wieso um alles in der Welt man sich in Israel ein Auto kauft, das selbst in der "Basisvariante" 260 Sachen schafft.

Die Autobahnen sind auf 100 km/h Höchstgeschwindigkeit begrenzt, meist verstopft, außerdem weiß man nie, was einem außer den ständigen Polizeikontrollen auf der Straße so auflauert und die Strecken sind ohnehin so kurz, dass ein schnelles Auto
im Grunde
rausgeschmissenes Geld ist.

Mal ganz abgesehen davon, dass mir regelrecht schwindelig wird, wenn ich alleine den Anschaffungspreis im Kopf überschlage ...

(Nicht, dass ich keinen Porsche nehmen würde, gäbe man ihn mir geschenkt... :D )

Sonntag, 20. Juni 2010

Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen *schüttel*



"Kakerlake!"

Kreische ich und rette mich in eine weit entfernte Zimmerecke. Mein goldener Ritter schafft es leider nicht rechtzeitig, das Vieh zu erwischen, bevor es durch die Balkontür auf Nimmerwiedersehen verschwindet. Es ist warm und feucht gewesen die letzten Tage, das ideale Klima für das eine Lebewesen, das mich zu einer hysterischen Kuh mutieren lässt. Da nutzt es nichts, dass es sich eigentlich nur um einen großen Käfer handelt, womit mich ganz zu Anfang meiner Israelzeit eine Freundin einlullen wollte. Käfer sind niedlich, außerdem nicht so groß, hässlich, schnell und überhaupt. Einmal habe ich ein besonders furchterregendes Exemplar unter einer Salatschüssel eingesperrt, bis mein starker Mann es am Abend erlegen konnte. Ja, ich schäme mich für diese Schwäche in Grund und Boden, aber 25 Jahre in Deutschland haben mich auf diesen Feind einfach nicht vorbereitet.

Zurück zu heute Abend. Ich lese mit meiner Tochter eine Gutenachtgeschichte, als ich es aus einer Zimmerecke rascheln höre. Mäuse kann ich ausschließen obwohl es sich genau so anhört. "Schatz", höre ich mich rufen, "wir haben noch eine Kakerlake im Schlafzimmer! Du musst sie sofort töten, sonst kann ich auf keinen Fall schlafen!" Blöd nur, dass die so schnell und zäh sind - erst eine gute Viertelstunde und mehrere beherzte Schläge mit seinem Schuh später, rührt sich das Vieh endlich nicht mehr.

Wenig später meine Tochter: "Mama, da ist noch eine Kakerlake!"
Ich: "So ein Quatsch, das kann ja gar nicht sein."
Tochter: "Doch schau, da oben."

Tatsächlich - an ihrem Mückennetz hangelt sich eine weitere Kakerlake entlang. Nr. 3 in diesem Sommer und alle an einem Abend. Ich drehe noch durch und mein Ritter hat von diesen ehrenhaften Rettungsaktionen auch langsam die Nase voll.

Er will den Kammerjäger rufen, genug ist genug.
 
Quelle: wikimedia

Freitag, 18. Juni 2010

Lieblingslied zum Wochenende (2)

Jetzt habe ich eine geschlagene Stunde in hübschen Liedern geschwelgt und bin mir immer noch nicht sicher, ob ich das richtige ausgesucht habe ;)

Miri Mesika, Ba'a eleichem
Ein Lied über zuhause und die Liebe der Eltern, etwas sentimental vielleicht, aber so berührend.






Wenn ich traurig bin und nichts vorangeht,
wenn ich ängstlich und verwirrt bin,
komme ich zu euch, komme ich zu euch.

Mein Auto rast über die Straße
als spürte es meine Eile,
ich komme zu euch, ich komme zu euch.

Papa wird sagen: Da kommt meine Prinzessin,
und Mama wird ganz aus dem Häuschen sein.
Kind, was haben wir dich vermisst,
warte doch noch einen Moment,
bevor du groß wirst.

Donnerstag, 17. Juni 2010

Der Holocaust um uns herum

Mich beschäftigt immer die Frage was wohl wird, wenn alle Holocaust-Überlebenden nicht mehr sind. Ob die Verbrechen des deutschen Volkes am jüdischen Volk dann langsam endgültig in Vergessenheit geraten und nach und nach immer mehr in der Erinnerung verblassen werden? Eine sehr ungute Vorstellung.

Andererseits ist der Holocaust in Israel nach wie vor sehr präsent. Die allermeisten haben eine persönliche Geschichte ihrer Eltern und Großeltern zu erzählen. Manche sind grausam - der Vorname unserer Kindergärtnerin etwa, ist aus den Anfangsbuchstaben von ermordeten Familienmitgliedern zusammengesetzt, einer Freundin war es besonders wichtig, den Familiennamen ihres Mannes anzunehmen aus einem ähnlichen Grund.

Vor kurzem bat mich eine Bekannte um Hilfe bei der Flugverbindungsrecherche nach Deutschland, dort sollte zu Ehren eines Großvaters, der ein ganzes jüdisches Dorf vor der Vernichtung gerettet hatte, eine Zeremonie stattfinden. Kurz stand eine Zugverbindung innerhalb Deutschlands im Raum, aber das war ihr dann doch unangenehm. Wegen des Anlasses und weil da dann alle Deutsch sprechen...

Seit dem allerersten Sprachkurs sind die Wörter "erinnern" und "vergessen" fest in meinem Vokabular verankert - der Merksatz dazu war:

erinnern und nicht vergessen



Man kommt um die Schatten des Holocausts nicht herum in Israel. Meist wird er gar nicht erwähnt, manchmal fast (zu) beiläufig und doch ist er in zahllosen Familien noch immer ständig präsent.

Sonntag, 13. Juni 2010

Kinder sind doch überall auf der Welt gleich

Wenn man sie nicht hört, stellen sie meistens irgendwas an. Heute: Fingerfarbe am Kleiderschrank, danach kurzzeitig auf dem dafür zugewiesenen Papier und dann großflächig auf dem Fußboden - wie gut, dass bei uns alles durchgefliest ist :D Leider sind die Farben auch nicht ganz so abwaschbar, wie es uns die Packungsbeilage verspricht, weswegen das Ferkelkind wohl noch ein paar Tage mit einem Blauschimmer leben müssen wird.

(Ich wohl auch, denn beim Schreiben dieses Beitrags stelle ich fest, dass die Farbe beim Duschen auf mich abgefärbt hat. Mutterfreuden. :-?)

Freitag, 11. Juni 2010

Lieblingslied zum Wochenende

Israelische Musik ist toll :) Da das allermeiste auf Ivrit ist, mag ich das ein oder andere Schätzchen mit übersetzten Textauszügen hier vorstellen.

Heute: Ariel Horowitz, "Ligmor k'mo Brenner*" (2010).







Textauszug:
"Lebte ich in einer Diktatur
hätte ich wohl den Mut aufzustehen
gegen Polizisten auf Pferden
und sie zu beschimpfen
obwohl sie Schlagstöcke haben?
Ja, vielleicht, aber wahrscheinlich eher nicht.

Wäre ich Sohn einer hungernden Familie
irgendwo in Indien oder an der Elfenbeinküste
hätte ich wohl die Kraft
aus meinem Leben was zu machen
meine Eltern zu verlassen?
Ja, vielleicht, aber wahrscheinlich eher nicht.

Solche Fragen bringen doch nichts...
So stehe ich in Tel Aviv, mitten auf der Straße,
schaue mich um und denke "Hier geht's mir gut"

 
*J.H. Brenner (1881-1921) war ein Pionier der neuhebräischen Literatur.

Spielplatzgeplauder

Eine Freundin und ich sitzen auf dem Spielplatz. Unsere Kinder toben, sie hatten gerade ein Eis, alles ist gut.

Da donnert ein Kampfjet mit ohrenbetäubendem Lärm über unsere Köpfe hinweg, meine Freundin ist das gewohnt, ich zucke kurz zusammen.

Sie: "Das ist nur ein Übungsflug. Wenn du das ständig hörst lernst du mit der Zeit zu unterscheiden, ob es 'Ernst' ist."

Heile Spielplatzwelt.

Montag, 7. Juni 2010

Erdogan erklärt uns die Welt

Ich sehe die Hamas nicht als Terrororganisation. Es sind Palästinenser im Widerstand, die um ihr Land kämpfen.

Quelle

Ah ja.

Nächstens wird er uns noch erklären, Buchenwald sei ein Freizeitpark gewesen oder wahlweise, es hätte den Genozid an 6 Millionen Juden gar nicht gegeben. Damit befände er sich ja in bester Gesellschaft.

Und jetzt poste ich doch noch das hier, weil es gerade so schön passt. Ob der Refrain auf Erdogan zurückgeht?





Sonntag, 6. Juni 2010

Wenn der Gatte auszieht

(aus dem Schlafzimmer) ist das ein untrügliches Zeichen dafür, dass der israelische Sommer anrückt.

Nun könnte man sagen, ich sei herzlos, könnte ich doch mit Hilfe der Klimaanlage sein Leiden auf Knopfdruck schlagartig beenden, aber ich sehe überhaupt nicht ein a) unsere Stromrechnung in astronomische Höhe zu treiben und b) Kind und mich der Unterkühlung durch die beißende Kaltluft preiszugeben. (Seit er sich selbst mal einen fiesen Schnupfen eingefangen hat, sieht er b) sogar ein).

Da er es im Schlafzimmer ohne künstliche Luftzufuhr aber nicht aushalten kann, schläft er nun seit ein paar Tagen auf dem Balkon - harte Fliesen und Mückenstiche erzeugen scheinbar einen weit geringeren Leidensdruck als israelische Hitze.

Da kann ich doch nur den Kopf schütteln.

Samstag, 5. Juni 2010

Die Welt geht unter aber wir haben Gas

Vor der Küste im Norden Israels wurde diese Woche ein gigantisches Gasvorkommen entdeckt.  Nach Schätzungen ist es doppelt so groß wie das 2009 gefundene Tamar-Vorkommen, das den Gesamtbedarf der israelischen Bevölkerung für die kommenden 35 Jahre decken soll. Daher überlege man derzeit die neuen Gasfunde zu nutzen, um Energielieferant für Europa und Fernost zu werden, hieß es in einem Bericht der Jerusalem Post.

Das sind doch schöne Aussichten - um uns herum tobt der Medienkrieg, aber Gas haben wir immerhin.

Donnerstag, 3. Juni 2010

ein lästiger Zwischenfall

ist mir heute passiert.

Unterwegs (n)irgendwo in Israel wurde ich bei etwa 80 km/h aus heiterem Himmel von einem unbekannten Gegenstand auf der Schnellstraße "angegriffen". Reifen geplatzt, Unterbau zerlegt, wenige hundert Meter weiter rechts rangefahren und beim Aussteigen fast von einem, ebenfalls rechts ranfahrenden LKW zermatscht. Doof gelaufen, aber wozu hat man schließlich einen Pannenservice in der Vollkasko?

Während ich noch versuchte, die Nummer desselben ausfindig zu machen, erschien ein höflicher junger Mann, vielleicht Anfang 20 in Uniform auf der Bildfläche, krempelte die Ärmel hoch und bot sich an, mir fix den Reifen zu wechseln. Ich war so perplex, dass ich erstmal in's Stottern kam, entschied mich letztlich aber doch für den Pannenservice da offensichtlich außer dem geplatzten Reifen noch mehr kaputt war. Trotzdem. So ein hilfsbereiter junger Mann aber auch. Unmittelbar danach musste ich noch zwei weitere Ritter der Landstraße "abweisen" - ob mir so viel Hilfsbereitschaft auch auf einer deutschen Autobahn begegnet wäre?

Da Warten allgemein und am Straßenrand im Besonderen wenig Spaß macht, überquerte ich, mein Kindergartenkind im Schlepptau, schließlich die Schnellstraße, snackte in einem Imbiss der nahegelegenen Armeebasis und durfte schließlich im Abschleppwagen mit in die Werkstatt fahren. Die Tochter fand das toll und auch ich kann das Ganze mit etwas Abstand als interessante Erfahrung verbuchen.

Was geht in einem vor...

... wenn man in diesen Tagen in Israel lebt?

Schwierig, das in Worte zu fassen.

Einerseits ist da ganz viel Wut dabei, auf die eigene Presseabteilung, die bereits während der Vorbereitung der "Free Gaza"-Solidaritätsaktion nicht richtig in die Puschen gekommen war, aber auch insbesondere auf die Berichterstattung der westlichen Länder, die nur allzu bereitwillig die Propaganda radikaler Islamisten schlucken und sogenannten "Friedensaktivisten" zur besten Sendezeit eine Plattform bieten, unverschämt und frei heraus ihre Anschuldigungen und Lügen zu den Vorgängen auf der Mavi Marmara zu verbreiten. Das Feindbild ist klar: Israel ist an allem Schuld, die Aktivisten haben sich nur verteidigen wollen und das sei doch durchaus legitim, wenn man von "Piraten" mitten in der Nacht, sozusagen im Schlaf überrascht und überfallen werde.







Das offizielle Videomaterial, nach dem die, zunächst nur mit Paintballgewehren bewaffneten, Soldaten von einem gewaltbereiten (und äußerst wachen!) Mob empfangen wurden, interessiert danach keinen wirklich mehr und wer will schon den Aufzeichungen des offiziellen Funkverkehrs der Israelis während der Aktion Glauben schenken, bzw. die Darstellung eines der beteiligten Soldaten, hören. Auch die Bilder der an Bord gefundenen Waffen, locken bereits einen Tag nach dem Vorfall, keinen Europäer mehr hinter dem Ofen hervor, geschweige denn ein Video, das, wie im Vorfeld von Israel immer wieder angeboten, die Löschung und den Transport der Hilfsgüter in den Gazastreifen zeigt.

Auch der Nachweis, dass tatsächlich radikale Islamisten unter den Opfern der Auseinandersetzung waren und die Hamas die Lieferung der angeblich so dringend benötigten Hilfsgüter auf dem Landweg bisher ablehnt, ist in der allgemeinen Berichterstattung kaum der Rede wert. Das schmerzt.

Die Stimmung in Israel ist gemischt, man hört überall Kritik - an der Pressearbeit, der Einsatzorganisation, sogar der Blockadepolitik. Gleichzeitig ist man sich einig, dass den Soldaten kein Vorwurf gemacht werden kann und man im Gegenteil froh sein muss, dass sie überhaupt scharfe Waffen dabei hatten, sich verteidigen konnten.

Montag, 31. Mai 2010

Israel (mal wieder) am Pranger

Auch das ist Alltag. Bereits den ganzen Tag berichtet der israelische Rundfunk über den "Angriff" auf die "Solidaritätsflotte" vor dem Gazastreifen, die unerwarteter und bedauerlicherweise Todesopfer und (Schwer-)Verletzte auf beiden Seiten gefordert hatte.

Abseits der offiziellen Berichterstattung habe ich um mich herum Reaktionen gesammelt:
"Die Berichterstattung im Vorfeld war zu dünn. Man hätte der Weltöffentlichkeit die Gründe für den Stopp der Flotille schon im Vorfeld besser erklären müssen."

"Das hat uns gerade noch gefehlt."

"Die Armee hätte sich lieber nicht auf eine so riskante direkte Konfrontation einlassen sollen. Hätte man die Schiffe nicht anderweitig stoppen und abschleppen können?"

"Die israelischen Soldaten wurden von einem Lynchmob angegriffen - sollten sie sich etwa nicht wehren?"

"Hätte man nicht warten können, bis die Schiffe auf israelischen Hoheitsgewässern waren?"

"Was soll's, ist ja nichts Neues, dass Israel international schlecht dasteht."

Viel Resignation also, aber auch Wut über die Unvermeidlichkeit und die Hilfslosigkeit gegenüber der Propagandamaschinerie des radikalen Islam.

Samstag, 29. Mai 2010

Alle Jahre wieder: Eurovision Song Contest

Der gemeine Europäer mag sich, wenn überhaupt, nur noch vage daran erinnern, in Israel hingegen ist der Eurovision bis heute untrennbar mit den 3 israelischen Siegen im Contest 1978, 1979 und 1998 verbunden. 1982 und 1983 reichte es für den zweiten Platz.

In den letzten Jahren konnten "wir" an diese Erfolge leider nicht mehr anknüpfen, Shiri Maimon und Boaz Maouda schafften es 2005 und 2008 aber immerhin unter die ersten 10.

Heute abend ist es wieder soweit, Israel hat sich mit "Milim" von Harel Skaat qualifiziert:







Von hier schon jetzt: 12 Points!

Freitag, 28. Mai 2010

es wird "lustig" morgen...

... hieß es gerade in den Nachrichten, denn genau in diesem Moment ist unter dem medienwirksamen Slogan "Free Gaza" ein Schiffskonvoy in Richtung Gazastreifen unterwegs.

Verteilt auf etwa 8 Schiffe sind rund 10.000 Tonnen Hilfsgüter und 700 pro-palästinensische Aktivisten an Bord, die fest entschlossen sind den Hafen in Gaza anzulaufen. Das klingt an sich nach einer sehr schönen humanitären Aktion für die Bevölkerung im Gazastreifen, das Problem ist nur, dass keiner so genau sagen kann, was oder wer außer Medikamenten und Lebensmitteln noch "mitfährt", für Israel ein unkalkulierbares Risiko. Dazu kommt, dass die Duldung von Hilfsgütertransporten auf dem Seeweg über kurz oder lang einen regelmäßigen Schiffsverkehr zwischen Gaza und Europa quasi legitimieren würde.

Die israelische Regierung hat daher entschieden, den Konvoy auf den israelischen Hafen Ashdod umzuleiten, notfalls auch gegen den Willen der Passagiere. Von dort aus soll die Fracht nach einer Sicherheitskontrolle über den Landweg in den Gazastreifen gebracht werden, so wie die regelmäßigen Hilfsgüterlieferungen auch. Fair enough, würde ich sagen, leider sehen das die Aktivisten der "Freedom Flotilla" ganz anders und sind daher dazu angehalten, sich mit allen Mitteln gegen die Intervention der israelischen Marine zu wehren. Seufz.

Randnotiz: Bei allem Verständnis für die Palästinenser waren sich die Verantwortlichen der Aktion übrigens offenbar nicht "humanitär" genug, für den vor fast 4 Jahren entführten und seither von der Hamas festgehaltenen israelischen Soldaten Gilad Shalit ein Päckchen seiner Familie mit in den Gazastreifen zu nehmen. Dabei hatte sein Vater im Gegenzug sogar angeboten, sich bei der Regierung für das Konvoy einzusetzen.

Mittwoch, 26. Mai 2010

Üben für den Ernstfall

Einmal im Jahr gibt es in Israel einen angekündigten Bombenalarm - zu einer festgesetzten Zeit ruft landesweit eine Sirene die Bürger in die Bunker. Die Übung dient in Gegenden, die nicht wie etwa Sderot regelmäßig angegriffen werden, dazu sich klarzumachen wo sich der nächste Bunker befindet, die Schutzräume von Gerümpel freizuräumen und ein besonnenes Verhalten im Krisenfall zu üben. Jedenfalls theoretisch. Praktisch sah das an meinem Arbeitsplatz heute so aus:

Punkt 11: Die Sirene heult und ich mache mich auf die Suche nach dem Bunker. Unser arabischer Hausmeister weist mir freundlich den Weg (was dem wohl durch den Kopf geht?). Unterwegs treffe ich noch eine Handvoll folgsamer Israelis, das Gros der Angestellten scheint aber in den Büros zu bleiben.

11.05: "Entwarnung". Alle dürfen zurück an die Arbeit. Die Hausmeister werden sich bald daran machen, das Gerümpel zurück in die Bunker zu räumen. Bis zum nächsten Mal. Falls vorher nicht der Ernstfall kommt, wer weiß das schon.

Dienstag, 25. Mai 2010

Verwöhnkonsum

Lassen wir uns verwöhnen oder reden wir es uns wenigstens ein, die Werbung macht es uns ja leicht: Es gibt Verwöhnwochenenden, Verwöhnbadeschaum, Verwöhnsofas, Verwöhnmenüs und neulich habe ich sogar eine Verwöhnpicknickdecke gesehen. Vom Konsum verwöhnt werden als Lebensgefühl? 

Nur Kinder soll man bitte nicht verwöhnen, jedenfalls nicht emotional. Man fährt sie im Kinderwagen, gewöhnt sie frühzeitig an die Flasche und wenn sie bei der Eingewöhnung im Kindergarten ein paar Tage länger brauchen, sind sie "verwöhnt" - im negativen Sinne.

Vielleicht werden deshalb wir Erwachsenen von der Werbung nach Strich und Faden verwöhnt. Sozusagen als Ausgleich.

Donnerstag, 20. Mai 2010

Endlich keine "Müllpost" mehr

In unserer Stadt hat fast jedes Wohnhaus bei den Briefkästen einen Papierkorb für all die Flyer, Werbeprospekte und Broschüren stehen, die sich über den Tag hinweg in einem durchschnittlichen Briefkasten so ansammeln. "Müllpost" heißt das hier wörtlich übersetzt. An manchen Tagen ist es nachgerade anstrengend, aus dem Stoß der irrelevanten Werbung das wesentliche - nämlich die Post - zu fischen.

Auf meine Beteuerungen, dass es "da wo ich herkomme" schon seit Jahrzehnten Aufkleber gibt, die dieses Ärgernis erfolgreich bekämpfen, erntete ich von meinem israelisch geprägten Gatten nur ein müdes Lächeln.

Bis jetzt.

Denn vor ein paar Tagen war zwischen dem Müll eine wirklich nützliche Postkarte. Neben einer Zusammenfassung des hiesigen Anti-Spam-Gesetzes, war darauf ein Aufkleber "Bitte keine Müllpost" für den Briefkasten abgedruckt. Der Clou: Es funktioniert! Ich habe seit einer Woche keinen einzigen Flyer mehr entsorgt.

Bleibt die leise Sorge, ob ich jetzt nicht wichtige Verbraucherinformationen verpasse... Etwa ein Supersonderangebot beim Pizzaservice. Vielleicht sollte ich zur Sicherheit ab und an einen Blick in den Papierkorb unter den Briefkästen werfen :D

Montag, 17. Mai 2010

Alles Käse.

Morgen ist Shavuot, das jüdische Wochenfest. Es findet 7 Wochen nach dem Passafest statt und gilt gleichzeitig als die Urform des christlichen Pfingstfestes. Ursprünglich ein Erntefest, steht es heute insbesondere für die Offenbarung der Gebote, die das Volk Israel durch Mose in der Wüste erhielt.

Shavuot ist das einzige jüdische Fest, an dem traditionell nur milchige Speisen verzehrt werden - Käse aller Art, Aufläufe, cremige Suppen und Käsekuchen werden zum Festessen serviert und auch die Kleidung wirkt "milchig", denn man trägt an Shavuot für gewöhnlich weiß.




Samstag, 15. Mai 2010

Israel ist...

... ein kleines Land

auf einer Fläche von nur rund 22.000 Quadratkilometern (ohne besetzte Gebiete) lebten Ende 2009 knapp 7,5 Mio Israelis. Damit würde das Land etwa 16x in die Bundesrepublik Deutschland passen und immerhin 2x in die Schweiz. In der Länge misst Israel 470 km und ist an der schmalsten Stelle nur 15 km breit.

... ein jüdisches Land

Rund 77% der Israelis sind Juden. In keinem anderen Land der Welt stellen die Juden die Mehrheit der Bevölkerung. Jedoch sind nicht alle Juden in Israel religiös: 43% bezeichnen sich selbst als säkular, 6% als ultraorthodox.

... ein Einwanderungsland

Bereits 1950, zwei Jahre nach der Staatsgründung, wurde das Rückkehrergesetz verabschiedet, das mit den Worten begann: "Jeder Jude hat das Recht, nach Israel einzuwandern...". 2000 Jahre der Zerstreuung und des Umherziehens waren endlich zuende, Juden hatten endlich wieder ein Zuhause, in dem sie sich jederzeit dauerhaft niederlassen können. Seit der Staatsgründung 1948 sind 2.891.418 Juden aus über 100 verschiedenen Ländern nach Israel eingewandert, was die Kultur des Landes maßgeblich geprägt hat.

... ein fortschrittliches Land

In den 60 Jahren ihrer Existenz haben es Israels Bewohner geschaft, ein unfruchtbares, unterentwickeltes Land in einen modernen Industriestaat zu verwandeln. Israel investiert überdurchschnittlich viel in Forschung und Entwickung und hält weltweit den Pro-Kopf-Rekord an wissenschaftlichen Publikationen, davon mehr als die Hälfte der Veröffentlichungen in den Bereichen Biotechnologie, Biomedizin und der klinischen Forschung. Medizinische Diagnose- und Behandlungsgeräte werden in Israel entwickelt und weltweit exportiert, aber auch in der Kommunikationstechnologie gehört Israel zu den führenden Ländern. Weltkonzerne wie Microsoft und Intel unterhalten Entwicklungszentren in Israel - der Intel Pentium Chip, Kernelemente von Windows XP und Vista, das Mobiltelefon, u.a. wurden in Israel entwickelt.

... ein demokratisches Land

Israel ist eine parlamentarische Demokratie. Alle Staatsbürger ab 18 Jahren können an den Wahlen gleichberechtigt teilnehmen.


Donnerstag, 13. Mai 2010

Shalom an den Rest der Welt,

ich bin angefressen. Seit gut 7 Jahren lebe ich in Israel, seit einem Jahr bin ich offiziell eingebürgert, obwohl ich mich schon viel länger als Israelin fühlte. Land und Leute haben mich, meine Seele und meinen Geist vollkommen absorbiert, seit ich 2002 das erste Mal hierher reiste. In letzter Zeit nervt es mich zunehmend, dass scheinbar der ganze Rest der Welt (du auch?) den Nahostkonflikt in Gänze verstanden hat und Israel dafür die Verantwortung zuschiebt. Besonders frappierend: Die allermeisten dieser "Nahostexperten" haben noch nie einen Israeli aus der Nähe gesehen, geschweige denn Israel und die palästinensischen Gebiete bereist. Ich bin es leid, als Bindeglied zwischen Deutschland und Israel, immer wieder zu erklären, rechtfertigen, entschuldigen was weder meine noch Israels Schuld ist. Gleichzeitig fühle ich mich genau dazu in der Pflicht, schließlich ist es meine Wahlheimat die diffamiert, einseitig dargestellt und in aller Welt als Agressor verurteilt wird.

Also blogge ich jetzt. Sozusagen als Therapie. Für mich.